Wo sich Verfolgung konkret abspielt.
Drei Regionen, drei sehr verschiedene Logiken der Bedrängnis. Hier finden Sie jeweils Kontext, aktuelle Zahlen und die wichtigsten spezialisierten Informationsquellen.
Nigeria — das tödlichste Land für Christen
Die Lage in Kürze
Nigeria ist seit Jahren das Land, in dem weltweit die meisten Christen wegen ihres Glaubens getötet werden. Der Großteil der dokumentierten Opfer entfällt auf den Norden und den sogenannten Middle Belt, wo Boko Haram, die Islamic State West Africa Province (ISWAP) und bewaffnete Fulani-Milizen christliche Dörfer angreifen. Die Bundesregierung wird von Beobachtern für unzureichendes Eingreifen kritisiert.
Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verschärft. Lokale Beobachter wie der nigerianische Kriminologe Emeka Umeagbalasi sprechen von einer „systematischen Strategie zur Auslöschung der Christen". Internationale Forschungsinstitute bewerten die Zahlen differenzierter — fest steht, dass die Gewalt anhält und auch moderate Muslime erheblich betroffen sind.
Eine besondere Rolle spielt die Entführungsindustrie: Die Africa-fokussierte Beratung SBM Intelligence dokumentierte, dass zwischen Juli 2024 und Juni 2025 mindestens 4.722 Menschen entführt wurden, darunter 18 Priester. Lösegeldforderungen finanzieren weitere Angriffe.
Spezialisierte Quellen zu Nigeria
China — Sinisierung und totale Überwachung
Die Lage in Kürze
In China sind Christen einer doppelten Strategie ausgesetzt: einerseits der „Sinisierung", die religiöse Inhalte an die Ideologie der Kommunistischen Partei anpasst, andererseits einer technologisch hoch entwickelten Überwachung. Selbst staatlich registrierte Three-Self-Kirchen sind betroffen. Hauskirchen, unabhängige katholische Gemeinden und kleinere religiöse Gruppen erleben einen anhaltenden Druck.
Die Pekinger Führung sieht in jeder religiösen Loyalität jenseits der Partei eine Bedrohung. Independent gegründete Hauskirchen werden systematisch zerschlagen, Pfarrer inhaftiert oder unter Hausarrest gestellt, Kirchengebäude versiegelt. In Three-Self-Kirchen müssen Lieder zum Lob der KP gesungen werden, Predigten unterliegen Vorzensur.
Ein neues Werkzeug ist das „Loyalitäts-Bewertungssystem", mit dem die Aktivitäten von Gläubigen in Echtzeit überwacht werden. Hinzu kommen das „Frühlingsregen-Projekt", in dem inhaftierte Christen unter dem Etikett der „psychologischen Beratung" ideologisch umerzogen werden, und der weitgefasste Begriff xie jiao („böse Kulte"), unter dem Hauskirchen kriminalisiert werden.
Spezialisierte Quellen zu China
Naher Osten — eine uralte Kirche verschwindet
Die Lage in Kürze
Die Christen der MENA-Region — Assyrer, Chaldäer, Armenier, Kopten, Maroniten, Syriacs — gehören zu den ältesten Christengemeinschaften der Welt. Ihre Anwesenheit reicht weit vor Islam, Zionismus und Kolonialismus zurück. Heute droht diese Präsenz durch Krieg, Vertreibung und politische Umbrüche zu verschwinden.
Nach dem Sturz Assads im Dezember 2024 hat sich die Lage in Syrien dramatisch verschlechtert. Die Übergangsregierung unter dem islamistischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa hat die Hoffnungen auf Sicherheit nicht erfüllt: mindestens 27 Christen wurden im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet, Lautsprecherwagen fordern öffentlich zur Konversion auf, an Kirchen geklebte Zettel verlangen die Kopfsteuer (Jizya).
Im Iran dokumentiert der jährliche Joint Report von Article 18, Open Doors, CSW und Middle East Concern eine massive Eskalation: 2025 wurden 254 Christen verhaftet, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Nach dem 12-Tage-Krieg mit Israel werden Christen vermehrt als „Mossad-Söldner" diffamiert. Die meisten Anklagen erfolgen unter Artikel 500 des iranischen Strafgesetzbuches.
Im Irak sind viele Familien aus der Nineveh-Ebene nach den ISIS-Verbrechen nie zurückgekehrt. Die koptischen Christen Ägyptens, mit etwa 10 % der Bevölkerung die größte Christengemeinschaft der Region, stehen unter sozialem Druck und gelegentlichen Anschlägen, genießen jedoch staatliche Anerkennung.
Spezialisierte Quellen zum Nahen Osten
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